Freitag, 13. März 2009
Wie sich die Eltern wohl fühlen müssen...
Liest man die ganze Zeit, egal wohin man schaut. Was soll das eigentlich? Egal wie es formuliert ist, ob als Frage, Beileidsbekundung oder Totschlagargument. Wo liegt der Sinn dieser Frage? Kann es einer von Euch nachvollziehen? Anyone sein Kind bei nem Amoklauf verloren? Mitgefühl ist nur real, wenn es nachempfunden werden kann ansonsten ist es Heuchelei.

Sinnvoller wäre es den Eltern Psychologen zur Seite zu stellen, sich um sie zu kümmern. Mit Beileidsbekundungen kriegt man schön billig das Gefühl ein guter Mensch zu sein... Was erreicht man damit bei den Eltern?

Hypothese: Man verlängert den Schmerz. Immer wieder in die selbe Wunde, schön drauf... wer von denen die ihr Beileid bekunden ist für die Eltern da? In Prozent??? Oder besser Promille???

Der interessanteste Aspekt der Geschichte ist folgender: Was denken sich diejenigen? Und die Eltern? Meine Antworten: "Es ist scheiße... usw usw" aber irgendwo im Hinterkopf dann "zum Glück hats mein Kind nicht erwischt". Oder: "Warum mein Kind? Warum gerade meins?" Das ist nicht schlimm, es ist nicht zu verurteilen, wir sind Menschen. Diejenigen die gegen diese Gedanken gefeit sind sind die wirklich guten Exemplare unter uns. An den Rest: Spart euch dieses verdammte Mitgefühl-Heucheln. Tut was für die Leute; und wenn es nur ist, sie in Ruhe zu lassen damit sie es irgendwann vielleicht verarbeiten können.

Kinder... es hat ja Kinder erwischt. Stößt mir genauso sauer auf wie Ulrich Wickerts traditionelles "XX Tote, darunter Frauen und Kinder". Dachte immer ein Mensch wär ein Mensch, geschlechts- und altersunabhängig. Muss mich wohl täuschen.

Edit + Addenda:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,613181,00.html

http://www.hanno.de/blog/2009/guten-abend-meine-damen-und-herren-sie-sehen-die-abendnachrichten/

... link (0 Kommentare)   ... comment


Die Irre von Chaillot...
Bin heute im Theater gewesen, Schultheater der Alfred-Grosser-Gesamtschule Bad Bergzabern.

Die Inszenierung war an sich gut, die Besetzung ebenso. Man bedenke, daß es sich um Schultheater handelt. Sehr gut gemacht, Herr Blaes.

Aber das Stück.... Die Irre von Chaillot. Deklariert als Märchen. Aber was wird uns hier inhaltlich verkauft? Die Welt wird wieder schön und die Menschen sind glücklich, wenn man die bösen fiesen Kapitalisten los ist.

Das zugrunde liegende Menschenbild des Autors ist exakt jenes, daß der Linken schon immer den spöttischen Ausdruck "Gutmenschentum" eingebracht hat. Ohne Kapitalismus und Profitstreben wäre die Welt ein besserer Ort? Nein. Muss ich wirklich die Geschichte als Beweis heranziehen? Oder gehen wir es einfach anders an: Ein Analogieschluß zu Kierkegaards Widerlegung der Erbsünde. Der Mensch wird erst durch die Vertreibung aus dem Paradies zum Menschen, der, der die Sünde begangen hat war per definitionem noch kein Mensch (ja... ich weiß, unzulässig verkürzt und dadurch verfälscht, lest es doch selbst :P). Den Schluß kann jeder für sich selbst ziehen, wer auf den gleichen wie ich kommt darf sich nen leckeren Kaffee von mir ausgeben lassen.
Der sogenannte "Naturzustand" des Menschen ist per se ein agressiver, sonst wäre es evolutionär nicht notwendig gewesen Konzepte wie "Gerechtigkeit" "Recht" und so weiter und so fort zu entwickeln. Hobbes ist in dem Punkt im Recht.

Auf dem Kapitalismus rumzuhacken ist mir ein zu leichtes Ziel, gerade in diesen Tagen, die durchaus das Potential haben (Pathos!, i love it) das Antlitz der Welt von Grund auf zu ändern. Was ist das Positive am Kapitalismus? Wir haben eine beispiellose Phase der technischen Entwicklung diesem System zu verdanken. Damit ist jede Form der technischen Entwicklung gemeint, das Internet (in der Theorie: freies Wissen für jedermann, freier Zugang zu Information, demokratischer gehts nicht; in der Realität: The internet is for porn) Medikamente usw. Die Reihe ist endlos, denn alles, worauf wir unseren Alltag gründen ist Technik. (Hypothese)

Kommen wir aber noch zu einem anderen Punkt: Propagiert das Stück Mord als legitimes Mittel? Meines Erachtens: Ja. Als Kantianer kann ich dem definitiv nicht zustimmen. Es ist widerlich.

Und noch ein Kritikpunkt: Die Darstellung von Kapitalisten, Journalisten und Abgeordneten... Diese pauschalisierte Darstellung von Archetypen ist Klassenkampf und somit zutiefst undemokratisch. Was sollen die Kinder aus dieser Darstellung lernen? Dem System kritisch gegenüberzustehen? Nein, eher nicht... sie lernen, die demokratische freie Marktwirtschaft eher rundheraus abzulehnen. My cup of tea.

... link (0 Kommentare)   ... comment